"Expedition Bahntrasse"

p180710_12.23"Zwischen Salzburg und Bad Ischl ..."

Das Lied der kleinen Eisenbahn kennt ein jeder. Aber wußen Sie auch wie nah diese Bahn eigentlich war und wie die Trassenführung verlief?

Ich habe mir stets den Hals ausgereckt auf den Fahrten von Kreuzstein Richtung Mondsee und versuchte irgendwas auszumachen, besonders als ich dann las, dass die am 20.6.1893 eröffnete Teilstrecke (Strobl - St. Lorenz) die Strasse in Scharfling ja gar nicht berührte sondern sich an den Hang schmiegte.

Das rief nach einer Expedition und so marschierte ich an einem kühleren Tag Mitte Juli los zur Suche der Trasse der Salzkammergut-Lokalbahn.

Erst ging es durch den Kienbergwandtunnel bis zum Egelsee. Der wäre übrigens eine gesondete genauere Betrachtung Wert. Ein Feuchtbiotop, unter Naturschutz gestellt mit hochinteressanter Vegetation. Von der Straße kommend folgte ich dem Feldweg der links ein Stück am Ufer entlangführt und am Ende ein kurzes Waldstück passiert und über eine Lichtung auf einen Forstweg mündet, der schließlich zum Wanderweg führt. Links geht es jetzt die eine geschotterte Strasse hinauf. Das konnte unmöglich die Trasse sein, viel zu steil. Aber die Richtung stimmt, also müßte ich auf der Scharflinger Höhe herauskommen, wo ich mit Garantie wußte dass die Trasse dort vorbeiführte. Also beschwingt hinauf, die Augen immer rechts suchend ob die Trasse nun schon sichtbar ist. Keinesfalls, denn ein kleiner Bergrücken versperrt die Sicht. Plötzlich naht die Scharflinger Höhe und gleichzeitig die Abzweigung zur Trasse und im Verlauf bergan ist auch der Tunnel - mittlerweile natürlich abgemauert und vergittert, der bis kurzm vom Krottenseereichte - zu bestaunen. Voll Freude schlage ich jetzt den Trassenweg talwärts ein und gehe genau dort, wo bis Herbst 1957 die Eisenbahngleise lagen.

Die Strecke wurde teilweise durch Felsen getrieben, die langsam vermosten, Hirschzungen und andere Farne säumen die Trasse, die stetig leicht fällt. Die Pioniersiedler am Wegesrand sind längst üppiger vegetation gewichen. Man durchschreitet beizeiten einen kurzen Tunnel, schlängelt sich wie die Bahn den Hang entlang, geht den Talkessel von Scharfling aus. Gemütlich die Wanderung, die Trasse gut erhalten, bis plötzlich rechts ein kleiner Weg abzweigt und die Trasse zu verwildern beginnt. Nicht ohne Gund, nach 20 Metern ist sie ausgesetzt, hier dürfte einmal ein Hangrutsch die Bahnführung auf einem guten Stück zerstört haben. Also nehme ich schweren Herzens den kleinen Weg der rechts hinunterführt, nicht ohne zu hoffen, dass diese ausgesetzte Stelle nur umgangen wird. Was auch so ist, nur muß man sehr aufpassen, den kleinen Pfad der kurz drauf steil links hinauf führt nicht zu verpassen. Dieser Pfad führt durch einen Laubwald und ist leicht zu verlieren, doch ist die Trasse breit genug dass man sie weit oben wieder findet. Würde man übrigens dem Weg ins Tal weiter folgen, so kommt man nach Scharfling zur Schiffsanlagestelle.

Zurück zur Trasse. Nun befindet man sich bereits direkt am See, noch relativ hoch, unten blitzt immer wieder die Uferstraße durch. Nach einem weiteren Stück führt nun links eine weitere "Umgehung" von der Trasse weg, natürlich folgte ich der Originaltrasse, die dort immer stärker verwildert. Und stehe plötzlich vorm Abgrund. Auch hier ist infolge einer Hangrutschung ein großes Stück Trasse verloren gegangen. Wieder zurück folge ich nun brav der Umgehung.

Immer wieder geht es hier durch Felsen durch, die Sprengmeister hatten beim Bau hier genug zu tun. Dicht bewaldet diese "Seeseite" und nicht ungefährlich. Tief in den Felsen gechnitten erst, danach rechts die zur Forststraße umgebaute Trasse mit schweren Stahlnetzen verspannt, die Steine hindern sollen auf die darunter liegenden Straße zu fallen. Diese  erreiche ich ein Stück vor Plomberg. Von dort verliefen Bahn und Strasse bis nach Plomberg parallel, bevor die Bahn nach St. Lorenz abbog.

Wie es so ist - der Fotoapparat lag gemütlich daheim auf der Couch und der Akku des Handy war am Limit. Somit gibts nur 1 Bild aber einen später daheim angefertigten Kartenausschnitt.

Fazit: Eine nette, abwechslungsreiche und historisch interessante Wanderung mit "Expeditionscharakter", keine besonderen Strapazen, festes Schuhwerk ist aber trotzdem notwendig.

Charlotte Weber

Infos zur Eisenbahn:

Wikipedia
Salzkammergutlokalbahn